Literaturhinweise

 

 

     Wer Schätze heben will, muss tief graben und im Dreck wühlen.

 

Literatur zur Temperamentenlehre kommt hier nicht vor, da sie den Kern der Sache nur umkreist, wie die Katze den heißen Brei, aber nicht zu ihm vordringen kann, so lange das Thema Sexualität ausgespart bleibt. Auch wenn es an zutreffenden Einschätzungen nicht mangelt, wird doch viel im Trüben gefischt in der Hoffnung, dass ein Kunde anbeißt. Ich stelle hier nur einige sexualwissenschaftli-che und pornografische Werke ein, welche ich erhellend fand, und welche mich zu der Überzeugung kommen ließen, dass nur die Sexualität die Temperamente "festnieten" kann, und deren Verhalten erklärt.

 

 

Wissenschaftliche Werke und Schilderungen

 

Richard von Krafft-Ebing: Psychopathia sexualis, Matthes & Seitz Verlag

Ein Jahrhundert nach de Sade hat K.-E. seine Phänomenologie der sexuellen Perversionen veröffentlicht. Er schilderte u. a. seine Erfahrungen in der Psychiatrie, Irren-Heilanstalten und in seiner Privatklinik in Mariagrün. Seine Beurteilungen und Einordnungen, vor allem solche der forensischen Psychiatrie, gelten heute vielfach als überholt und teilweise fehlerhaft. Ein Kritikpunkt sind seine moralischen Wertungen. Auch seine Fiktion der Trennung von Normalität und Perversion kann ich nicht nachvollziehen. Für mich waren und sind seine kleingedruckten Fallschilderungen der Patienten von Interesse, die sich bei ihm einfanden, oder an ihn zur Begutachtung überwiesen wurden.

 

Magnus Hirschfeld: Geschlechtskunde, 2 Bd. Verlagsbuchhandlung Stuttgart

Als leitender Arzt des Instituts für Sexualwissenschaft behandelte er nicht nur die sexuellen Phänomene, sondern auch die sozialen und politischen Implikationen.

 

Magnus Hirschfeld: Geschlechtsverirrungen, Carl Stephenson Verlag

Sachliche Übersicht mit Fallbeschreibungen

 

Ernest Bornemann: Das Patriarchat, Fischer

„Ursprung und Zukunft unseres Gesellschaftssystems“

Bemerkenswert ist die Gliederung in „die soziale Basis“, und „der sexuelle Überbau“.

 

Dr. Walter Braun: Sadismus, Masochismus, Flagellantismus, Orion

Ausführliche Darstellungen

 

Clellan S. Ford, Frank A. Beach: Formen der Sexualität, Rowohlt

„Das Sexualverhalten bei Mensch und Tier“

 

John Gregory Bourke: Das Buch des Unrats, Eichborn

Wessen Urin ich trinken kann, mit dem komme ich auch in der Gemeinschaft klar. Mit einem Vorwort von Sigmund Freud, der ihn als den Begründer der Koprologie bezeichnet.

 

Roy D. Eskapa: Die dunkle Seite der Sexualität, Heyne

Ein Kinsey-Report von unten“

 

Georg Friedrich Kollas: Der Flagellantismus im Altertum, Leipzig 1932

Man kann sich heute kaum übertriebene Vorstellungen machen über das Ausmaß öffentlicher und häuslicher Gewalt. Kollas schildert die Verhältnisse minutiös. Ein Volk, das bei dem kriegerischen Gemetzel nicht mithalten konnte, war zum Tod oder zur Sklaverei verdammt. Somit war der Flagellantismus, der von keinem Philosophen in Frage gestellt wurde, schon bei der Kindererziehung universell, geradezu ein Selektionsfaktor, und Voraussetzung der physischen Sklaverei. Im Zeitalter der psychischen Sklavenhaltung sind Metzel-Fantasien untauglich und schädlich. Die Kriegführung am Bildschirm mit Joystick und Button erfordert andere Qualitäten.

 

Dr. Ernst Schertel: Fetisch und Fantasie, Eros Publishing

Sammlung ausgefallener Fetischismen und Praktiken, von den Betroffenen selbst geschildert.

 

Christoph Brandhurst: Extrem! Schwarzkopf

„Frauen, Männer und Paare erzählen von der Lust an ihrer Leidenschaft“.

 

Hans Peter Dürr: Nacktheit und Scham, Der Mythos vom Zivilisationsprozess, Suhrkamp

Dürr bestreitet, dass die Zivilisation auf sexueller Ebene eine Höherentwicklung gegenüber den „primitiven“ Völkern darstellt.

 

Terence Sellers: Der korrekte Sadismus, ikoo

Ich erwähnte sie bereits im Text als einfühlsame literarisch gebildete professionelle Sadistin, deren Kundenkreis in New York aus den höchsten gesellschaftlichen Schichten stammte. In Folge einer seelischen Krise gab sie diesen Beruf auf, und widmete sich in dem Erzählband Begierde der Gefühlswelt einer Masochistin. Ihre vormals knallharte Diktion verwandelte sich dabei in eine verquaste Hymnik der Todessehnsucht.

 

Roland Villeneuve: Grausamkeit und Sexualität, Rixdorfer Verlagsanstalt

Sadistisch-flagellantische, pathologische, gesellschaftlich- machtpolitische und religiöse Hintergründe der Leibes- und Todesstrafen, Hinrichtungsarten, Martern und Qualen bis in die Gegenwart in Wort und Bild“. Schwer zu ertragen!

 

James L. Gould und Carol Grant Gould: Partnerwahl im Tierreich, Sexualität als Evolutionsfaktor, Spektrum der Wissenschaft

 

David Burnie (Herausgeber): TIERE, Die Grosse Bildenzyklopädie mit über 2000 Arten, Dorling Kindersley

 

Pornografisches und Biografisches

 

Marquis de Sade: Justine ou les malheurs de la vertu, Insel Verlag

Seine Fantasien von seelischen und körperlichen Grausamkeiten sind Ausdruck von monothematischer Besessenheit, welche davon Unbetroffene in ihrem Wiederholungszwang anödet.

 

Leopold Ritter von Sacher-Masoch: Venus im Pelz

Für seine Sklavenfantasien willenloser Hörigkeit musste ich die gleiche monothematische Zwanghaftigkeit feststellen, welche mich als von seiner sexuellen Fixierung Unbetroffenen bei der Lektüre ermüden ließ.

 

Jean Genet: Querelle, The Olympia Press

Von dem Buch konnte ich die Erstausgabe in deutscher Sprache erwerben, gedruckt in Frankreich, verboten in Deutschland. Als schwuler Stricher und Dieb hegte er eine stille Sehnsucht nach dem Knast, der seine Fantasien beflügelte, und wo er seine besten Romane schrieb. Sie spielen in kriminellen Kreisen („Notre dame des fleurs“) und im Hafenmilieu. In seinem Roman „Die Soldaten“ machte er als erster in der bleiernen Adenauer-Ära mir das Phänomen A. Hitler verständlich, in dem er seinen Protagonisten seine Fantasien schildern ließ, von H. anal vergewaltigt zu werden. Was mich am meisten wunderte: Nie floss ein Wort des Hasses in seine Zeilen, er war immer voller Verehrung. Aber was er verehrte, war die Provokation der Umkehrung aller Werte, und damit der Skandal. Seine hauptsächlichen Förderer Jean Cocteau und André Gide bedrängten ihn angesichts seiner Latte an Vorstrafen, seine kriminellen Aktivitäten einzuschränken, um nicht während der deutschen Besatzung in ein KZ abtransportiert zu werden. Jean-Paul Sartre, dem er nach dem Krieg begegnete, gab ihm den Titel „Saint Genet, Komödiant und Märtyrer“, und sorgte mit seiner Patronage, dass eine lebenslange Freiheitsstrafe ihm erspart blieb.

 

Eric Knoll (Herausg.): The Art of Eric Stanton, Taschen Verlag

Stanton war einer der herausragenden Cartoonisten und Illustratoren der pornografischen sadomasochistischen Szene. Er ließ kaum etwas aus.

 

Quentin Crisp: Crisperanto, Ammann

Autobiografie eines exhibitionistischen Transvestiten. Er gesteht seine Leidenschaft für das Kokettieren. Das Kokettieren scheint mir ein Wesensmerkmal des delirierenden Konsumismus zu sein.