Dummheiten

 

 

             Glasklare Logik

Wir müssen immer mehr arbeiten, damit wir immer mehr Maschinen haben, die uns immer mehr Arbeit abnehmen.

Wie funktioniert diese Logik? Ich schalte das Zwängesuchsystem ein, und schon bin ich im Hamsterrad.

 

       Sprachregelung: Sparen

In der Konsumpropaganda kann man nur sparen, wenn man etwas kauft. Keineswegs, wenn man etwas nicht kauft.

Auf staatlicher Ebene spricht man von kaputtsparen, wenn etwas weniger Schulden gemacht werden sollen.

 

 

     „Kindergardn“

Das wunderschöne Wort Kindergarten hat vor allem im englischsprachigen Raum soviel Anklang gefunden, dass es dort als Fremdwort eingewandert ist. Man wünschte, könnte, sollte sich darunter einen Garten EDEN vorstellen ohne die Verderben bringenden Früchte der Erkenntnis, ein Refugium vor der schnöden Wirklichkeit.

Aber was ist nun in Deutschland? Hier findet sich das Wort nur noch in Lexika. Große Nüchternheit ist da eingekehrt: „Kindertagesstätte“ heißt es jetzt im agglutinierten Verwaltungssprech, was zu Illusionen kaum noch Anlass gibt. Der Volksmund hat aus diesem Wortmonster die KITA gemacht, was nach Kernseife riecht. Hauptsache kurz und knackig.

 

 

                       Der Käfig-Mensch

Hinaus, was hockst du in deinem Käfig !  Draußen erwarten dich größere Käfige.

 

     Ich als Denker und Dummerchen

Was ich nicht alles schon gedacht habe: Es waren Kindereien, Illusionen, Irrtümer, lauter dummes Zeug. Aber was ich jetzt denke, trifft wirklich den Kern der Sache. Das heißt aber nicht, dass ich morgen die Angelegenheit nicht unter anderem Blickwinkel betrachte, mal vorsichtig ausgedrückt. Nun ja.

 

                    Im Strudel des Alkohols

Edgar Allan Poe hielt sich seine detektivischen Fähigkeiten zugute, die er bei der Lösung des Schachautomaten-Schwin-

dels zeigte. Darf ich da mitmachen? In seiner Geschichte des Grauens „Im Strudel des Maelstroms“ unterlief ihm dann

doch eine exemplarische Dummheit:

Ort des Geschehens: Die Lofoten 68° n. Breite, das sind 1 ½° über dem Polarkreis, Zeit : 10. Juli

Aus der Schilderung des „ungeheuer weiten unermeßlich tiefen Trichters“:

„….als aus der…kreisrunden Öffnung der Wolken die Strahlen des Vollmondes wie eine Flut glorreichen Goldes die schwarzen Wände hinab und bis tief in die innersten Tiefen des Abgrundes hineinströmten“. Ist das nicht unermesslich geil? Als Drehbuch sicher. Es geht kaum noch besser.

Meine ungeile Vorhaltung : Zu der angegebenen Zeit ist dort Mitternachtssonne und der Vollmond, da in Opposition befindlich, bleibt unter dem Horizont. Selbst im Dezember könnte er niemals in einen tiefen Trichter hineinleuchten. Pech gehabt. Das kann nur Hollywood realisieren. Aber was beckmessere ich da rum, da ist die Fantasie durchgeknallt, und auch ich bin dem Zauber seiner abenteuerlichen Fantasterei früher erlegen.

 

    Statistik :  Der Stau

Wohl jeder ist auf der Autobahn schon mal oder ständig im Stau gestanden, und jeder denkt auch, dass das eine Verschwendung von Zeit, Benzin und Nerven darstellt. Irrtum, sagt der Statistiker: Im statistischen Durchschnitt sitzt oder fährt jeder Autofahrer 2 Stunden am Tag, gleichgültig, ob er im Stau steht, oder nicht. Wenn kein Stau da ist, findet der statistische Fahrer einen Grund, weshalb er unbedingt noch woanders hin muss, um die 2 Stunden zu füllen. Das spart jedenfalls Benzin und gefahrene Kilometer (Abnützung), die Zeit bleibt die gleiche, und was die Nerven betrifft, ist es Einstellungssache. Der Stau ist somit eine Erziehung zur Sparsamkeit.

 

 

                Eine esoterische Beweisführung

 

Nicht nur bei Esoterikern ist die These unumstritten, dass Pflanzen die Beschäftigung mit ihnen bemerken und intensive Zuwen-dung, welcher Art auch immer, mit vermehrtem Wachstum belohnen. Darauf beruhen viele Aura-Theorien. Aber kann ich das auch beweisen?

Ich gehe sehr sorgfältig und systematisch vor, da ich weder mich selbst noch andere betrügen möchte. So baue ich in einem abgeschlossenen Bereich zwei Blühtische auf, die ich mit Ventilatoren und Lichtquellen und einem räumlichen Abzugsventilator ausstatte, Jeder Blühtisch erhält eine identische Belegung von verschiedenen Pflanzen, die ich nach Losverfahren auf die Blühtische verteile, um auch unbewusste Bevorzugung zu vermeiden. Um gar nichts falsch zu machen, ziehe ich die Pflanzen hydroponisch mit automatischer Bewässerung und Bedüngung auf. Habe ich bis jetzt alles richtig gemacht? Hoffendlich!

Nun kommen meine Seancen, 2 X täglich eine halbe Stunde, in denen ich meine Psychoenergien in geringem Abstand auf nur einen Blühtisch konzentriere. Dazu schalte ich die Ventilatoren aus, da sie mich in der Konzentration stören und eine Erkältung verursachen könnten.

Nach 3 Monaten das Ergebnis: Tatsächlich sind die Pflanzen auf „meinem“ Blühtisch deutlich stärker gewachsen als die nicht begünstigten. Ist das jetzt der Beweis?

Leider nein. Ich habe übersehen, dass ich die bevorzugten Pflanzen durch meinen Atem mit einer stark erhöhten Kohlendioxid-begasung versorgt habe. Es ist also nichts Wundersames geschehen. Wenn man das weiß, kann man den Pflanzen vermehrtes Wachstum einhauchen. Also weitermachen, mit oder ohne Esoterik!

 

 

Dumm gelaufen

 

In Dillingen/Saar ging ich am Stadtpark entlang in Richtung Rathaus. Vor mir auf dem Bürgersteig ging ein Ehepaar mit junger Tochter.

Da kam von hinten ein Boy auf dem Fahrrad angefahren und legte vor den dreien in kühnem Kurvenschwung einen Sturz hin. Es sah sehr gekonnt aus, und zweifellos wollte er seiner Angebeteten damit das Ausmaß seiner Verehrung demonstrieren. Dummerweise für ihn kam ich kurz darauf an einem Eingang zum Park vorbei und sah dort in fünf Meter Entfernung einen älteren Mann hilf- und regungslos am Wegrand liegen. Ich machte das Ehepaar darauf aufmerksam, worauf sich die drei umdrehten, den Stunt nicht weiter beachteten, und hilfsbereit sich dem offenbar Hilflosen zuwandten. Der junge Liebhaber, dem der Erfolg seines Einsatzes entgan-gen, und die Aufmerksamkeit entzogen war, wollte sich aber noch nicht geschlagen geben, und sich wieder ins Spiel bringen. Seinen Sturz hatte er unbeschadet überstanden - gekonnt ist gekonnt -, und so eilte er herbei und beugte sich über den Daliegenden. Dieser wiederum war offenbar gar nicht so hilflos, wie es den Anschein hatte, sondern wohl eher sternhagelvoll, und ergriff hocherfreut diese Chance, umarmte den Jungen und herzte ihn, nicht so schnell wieder loslassend. Da meine Hilfsbereitschaft nicht vonnöten war, ging ich weiter und überließ die anderen ihrer vergeblichen und verfehlten Liebesmüh.

Ob das Verhalten des Jungen eine Dummheit war, darüber kann ich mir kein Urteil erlauben, da es möglicherweise eine erfolgver- sprechende Strategie war, die danebengegangen war.

 

 

       Die Schwarmdummheit

 

In einem Interview mit einem populistischen österreichischem Wahlgewinner lese ich: Sie (die Wähler) können sich nicht falsch entscheiden. Hoppla ! Das ist eine kühne Berufung auf eine postulierte Schwarmintelligenz, als ob es eine Schwarmdummheit nicht gäbe, für die man in der Geschichte der Massenbewegungen genügend Beispiele finden dürfte, Narrenschiffe in voller Fahrt voraus, die bei hohem Wellengang mit Leichenbergen in der Folge kentern.

Der Bibel kann man entnehmen, wie schnell auf das Hosianna das Kreuziget-ihn folgen kann. Ein beredtes Beispiel dafür zeigt auch Shakespeare in dem Drama Julius Caesar, wie Massen Knetmasse in der Hand von Populisten werden. Bis sich das Blatt wieder wendet.

Wie viele Ideen, Konzepte und Zielvorstellungen wurden nicht schon als hoch intelligent gepriesen, die sich dann später als Dumm- heiten herausgestellt haben. Ich drücke mich davor, Beispiele zu nennen, es wären ihrer gar zu viele.

So sehr auch Laokoon schrie, die Dummen verringern sich nie. Jeder kann auch in seiner eigenen Vergangenheit nach Dummhei- ten suchen, die er zweifellos finden dürfte, wenn er es nur wollte. Die von heute sind schwieriger zu entdecken.

 

In dem Zusammenhang möchte ich auf das Buch Über die Dummheit von Horst Geyer („Das weiß der Geyer“), Dr. med. habil. und Direktor einer Irrenanstalt hinweisen. Er beklagt sich darin, dass es in der Literatur jede Menge Preislieder auf die menschliche Intel- ligenz und ihre Hervorbringungen gäbe, aber nur wenige Auslassungen über ihre Dummheit. Außer der Satire des Erasmus, in der die Dummheit höchstpersönlich in hoch intelligentem Diskurs die Vorzüge der Dummheit aufführt, gäbe es nur wenig Literatur über die Macht der Dummheit.

Von besonderem Interesse erschien mir das Kapitel Dummes Verhalten infolge zu hoher Intelligenz, worin er sich keinen Geringe- ren als J. W. Goethe mit seiner Altersliebschaft zu einer Minderjährigen exemplarisch vornimmt. Am stärksten ist aber am Schluss der Abschnitt Das Gorgonenhaupt der Wahrheit, in dem er die Dummheit und Ignoranz als überlebenswichtigen Schutz vor nieder- schmetternden Wahrheiten darstellt, als Garanten der Illusion, die uns Lebensfreude und Geselligkeit verschafft, während uner-wünschte Wahrheiten isolieren und Depressionen erzeugen. So kann man die Schwarmdummheit als Voraussetzung jeder Gemein-schaft sehen, sei sie erfolgreich oder schnell verglühend. Sie ist der Schwarmintelligenz komplementär ebenbürtig, und kann ohne sie nicht bestehen. Die Dummheit ist eine erfolgreiche Überlebensstrategie und dient auch der Tarnung. Meine Mutter sagte öfter: "Jetzt markiert er wieder den Dusseligen."

In diesem Zusammenhang ist die Psychologie der Massen von Le Bon instruktiv, sofern man sich an seinem Rassenfimmel nicht stört.

Wären die Menschen Liebhaber der intelligenten Einsicht, würden sie eine Enttäuschung als etwas Positives betrachten. Aber dem ist nicht so: Sie lieben die Selbsttäuschung über alles. Der Illusionismus ist die einzige Weltanschauung, die alle Menschen teilen.

Meine These: Mit Steigerung der Intelligenz sollte auch paritätisch die Dummheit zunehmen. Beide sind ein Traumpaar: Sie können voneinander nicht lassen. Es ist bloß schwierig, das eine von dem anderen zu unterscheiden.

                                                                                                                                                                                                 27.10.17

 

Innovationszwang

 

In der Nachkriegszeit gab es an jedem Gasherd Knebelregler, bei denen man aus 10 m Entfernung die Stellung sehen konnte. Selbst ein Blinder konnte ohne Probleme den Herd bedienen: eine perfekte Lösung. Was ist nun im Zeitalter des Innovationskults daraus geworden?

 

Aus der Konkursmasse von QUELLE konnte ich günstig einen Elektoherd mit Kochplatte erwerben. Das obige Bild zeigt die Regler: Die winzigen Zahlen kann ich ohne Brille, und ohne mich zu bücken, nicht lesen. Das gleiche gilt für den Stellungsanzeiger. Die Stellung AUS habe ich rot markiert. Mit nassen oder gar fettigen Fingern kann ich den Regler nicht drehen, da er glatt ist und nicht geriffelt.

Etwas perfektes kann man nur noch verschlechtern. Jeder Designer muss natürlich etwas anderes produzieren, da er sonst keine Daseinsberechtigung hat. Ein Versandhändler, der solches vertreibt, darf sich nicht wundern, wenn die Pleite naht.